Open-Air Kino Hardgutbrache 2025: Im Gespräch mit Priya & Sam

Im September verwandeln wir die Hardgutbrache wieder in ein kollektives Open-Air Kino. Zwei Tage lang treffen Filme auf Food, Community und Solidarität – organisiert in Zusammenarbeit mit dem Atelier Kommma 3 und kulinarisch bereichert durch das Velo Fuud Festival. Dieses Jahr erwarten euch die preisgekrönten Dokumentarfilme Dear Future Children sowie Immortals mit einem Live-Gespräch mit Regisseurin Maja Tschumi.

Wir haben mit Priya und Sam gesprochen, die beide Teil der Organisation sind, und wollten von ihnen wissen, was das Kino auf der Brache für sie bedeutet, wie die Filme ausgewählt wurden und warum Begegnung, Essen und politisches Kino so gut zusammenpassen.

Ihr organisiert schon zum dritten oder vierten Mal ein Open-Air Kino – wisst ihr eigentlich noch genau, wie oft es jetzt schon stattgefunden hat?

Sam: Dies ist nun die dritte Durchführung, nachdem wir aufgrund von zu wenigen Ressourcen ein Jahr aussetzen mussten.

Priya: [blickt kurz skeptisch und lacht dann]
Ich dachte, das wäre erst die Zweite, aber stimmt, das ist schon die Dritte!
Angefangen hat eigentlich alles ganz klein mit der Idee, bei uns im Atelier regelmässige Filmabende zu machen. Daraus hat sich dann aber doch ein grösseres Projekt entwickelt, was natürlich auch mehr Aufwand und Ressourcen mit sich bringt. Das hatten wir zu Beginn noch etwas unterschätzt.

Was macht für euch den Reiz aus, Kino auf der Hardgutbrache zu veranstalten – und nicht in einem klassischen Kinosaal?

Priya: Film ist ein enorm starkes Medium, um wichtige Themen sichtbar zu machen, aber auch, um unsere Community zusammenzubringen. Draussen unter freiem Himmel entsteht eine offene und entspannte Atmosphäre, die Begegnungen und Diskussionen erleichtert. Es wirkt noch offener für alle, als in vier Wänden.

Sam: Und zum Standort: Wir haben unser Atelier hier, sowie viele spannende, verbündete Vereine, welche die Hardgutbrache zu einem lebendigen Ort machen.
Mit der neuen Kooperation mit dem Atelier Kommma 3, welches auch auf der Hardgutbrache ist und dem VeloFuudFestival, haben wir optimale Bedingungen, um ein kostenloses Kino anzubieten und gegenseitig von Synergien zu profitieren. Es freut uns auch, draussen, kostenlos – und somit niederschwellig – etwas anzubieten.

Dieses Jahr zeigt ihr mit Dear Future Children und Immortals zwei Filme, die sehr unterschiedliche, aber ebenso wichtige Protestbewegungen sichtbar machen. Wie habt ihr die Auswahl getroffen?

Sam: Wir haben nach Filmen mit schweizer Regisseurinnen gesucht, die thematisch passen. Dabei sind wir auf Immortals von Maja Tschumi gestossen. Wir haben Sie einfach angeschrieben und sie fand die Idee auf Anhieb toll, da sie gerne einen Teil zur Antirassismusarbeit leisten möchte. Der Anspruch war auch, dass es ein politischer Film mit Inhalt und Anregungen für spannende Gespräche und Engagements sein sollte.

Priya: Genau, und nachdem wir Maja mit Immortals im Boot hatten, ein Film, der die Kämpfe einer jungen Protestgeneration im Irak sichtbar macht, wollten wir am anderen Tag thematisch passend Dear Future Children zeigen. Der Film verknüpft unterschiedliche Protestbewegungen weltweit und macht deutlich, wie wichtig es ist, ins Handeln zu kommen und solidarisch in globale Kämpfe einzustehen. Gerade in einer Zeit, in der wir mit multiplen Krisen, Konflikten, Kriegen und Genoziden konfrontiert sind und uns oft hilflos fühlen, ist diese Botschaft relevanter denn je.

Am Samstag gibt’s vor dem Film das Velo Fuud Festival. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und was verbindet euch mit dem Atelier Kommma 3 und dem Velo Fuud Festival?

Priya: Alles Sam zu verdanken, der super vernetzt ist in Zürich, besonders in der Eventszene.

Sam: Das Velo Fuud Festival findet zum ersten Mal statt. Sie hatten Anlaufschwierigkeiten in der Planung. Da meine Freundin Golda auch erstmals einen Velostand baut und Indische Katthi Rolls mit ihrer Kollegin Sanschana verkauft, war ich bereits über den Event informiert. So kam die Idee, den Event kurzerhand gemeinsam mit unserem Kino durchzuführen. Da wir selbst nur wenige Ressourcen haben, sind wir meist an Kooperationen interessiert, um so Menschen zu involvieren, die Leidenschaften anderen Ursprungs an einem Event einbringen können. Anja und Oliver vom Velo Fuud Festival habe ich übrigens an Events von unserem Kollektiv kennengelernt und Freundschaften geknüpft.

Mit Maja Tschumi ist am Samstag sogar eine Regisseurin live dabei. Was bedeutet euch dieser direkte Austausch mit Filmschaffenden?

Sam: Uns war wichtig, nicht nur einen Film zu zeigen, sondern diesen in ein Programm einzubetten. Das Gespräch mit der Regisseurin des Films erlaubt uns, dem Publikum spannende und exklusive Einblicke in die Produktion zu gewähren. Dies führt dazu, dass wir noch mehr Perspektivenwechsel und Inputs für Gespräche erhalten. Es involviert und macht den Film auch nahbarer, durch den persönlichen Einblick. 
Gerade aktivistische und politische Filme brauchen Kontext, Informationen und viel Wissen, um den Film einzuordnen und zu verarbeiten. Mit diesem Input helfen wir alle abzuholen, unabhängig davon, wo sie sich betreffend Vorwissen befinden.

Essen, Kino, Diskussionen – das Wochenende klingt nach einer Mischung aus politischer Auseinandersetzung und gemütlichem Zusammensein. Was möchtet ihr, dass die Menschen vom Event mit nach Hause nehmen?

Priya: Hoffentlich fühlen sich die Menschen als Teil unserer Community, knüpfen sogar neue Freundschaften und gehen mit dem Gefühl nach Hause, dass wir uns zusammenschliessen können, um weiter für die Rechte aller einzustehen. Und dass niemand dabei alleine ist.

Sam: Die Menschen sollen die Gemeinschaft im Herzen tragen. Sich verbunden fühlen. Sie sollen wissen, dass hier ein Space ist, den Sie nutzen und mitgestalten können. Sie sollen ermutigt sein, sich zu engagieren, laut, sichtbar und konsequent.
Natürlich sollen sie auch neue Sichtweisen und neue Bekanntschaften mitnehmen.

Wie fügt sich das Open-Air Kino in die Arbeit unseres Kollektivs ein – speziell im Zusammenspiel den verschiedenen Arbeitsgruppen?

Priya: Das Open-Air Kino verbindet bei uns verschiedene Arbeitsgruppen, wenn auch bedingt; zum Beispiel das Magazin (aka dieses Interview) oder die Bildungsarbeit. Film ist ja für uns auch ein Mittel der Bildung: Er bringt Menschen zusammen, regt zum Austausch an und lässt uns nicht nur vom Film, sondern auch voneinander lernen. Und nach aussen wird sichtbar, wofür wir stehen: Community, politischer Austausch, Begegnung und Solidarität.

Und zum Schluss: Worauf freut ihr euch persönlich am meisten – Film, Food oder die Begegnungen?

Priya: All of the above! Aber vor allem auf die Reaktionen des Publikums während der Filme und die Gespräche, die daraus entstehen mit bekannten und hoffentlich auch vielen neuen Gesichtern. Und aufs Popcorn machen in der Maschine, dazu komme ich sonst selten.

Sam: Ich freue mich auf spannende Gespräche und frisches Popcorn. Die grösste Freude ist dann meistens, wenn der Film anläuft und die Menschen den Film auch wirklich eindrücklich, spannend und das Programm stimmig gefunden haben.


🎬 Open-Air Kino @ Hardgutbrache
📍 Wo: Hardgutbrache, Hardgutstrasse 7, 8048 Zürich
📅 Wann: Freitag, 12. September & Samstag, 13. September 2025
👥 Wer: Vo da. – in Zusammenarbeit mit Atelier kommma3 & Velo Streetfuud Festival
🍲 Programm:
Freitag: Dear Future Children (20:30)


Samstag: Velo Fuud Festival ab 14:00, Online-Interview mit Regisseurin Maja Tschumi (19:50), Immortals (20:30)
🎟 Eintritt: frei, Kollekte willkommen
📝 Anmeldung: Hier anmelden

Ob für Filme, das Streetfuud Festival oder einfach fürs Zusammensein – am 12. & 13. September seid ihr herzlich eingeladen, die Brache mit uns in einen solidarischen Kinoraum zu verwandeln. Der Eintritt ist frei, wir freuen uns über eure Kollekte.