Mir sind Vo da.

Mit Besorgnis beobachten und erleben wir selber, dass Diskriminierung und Rassismus nach wie vor in nahezu allen Teilen unserer Gesellschaft tief verankert ist. Zahlreiche Bewohner*innen der Schweiz sehen sich tagtäglich mit Ungleichbehandlung, Benachteiligung, Ausgrenzung, Stigmatisierung, Abwertung und verbalen oder gar physischen Angriffen konfrontiert, weil manche Leute ihr Aussehen und/oder ihren Namen für vermeintlich „nicht-schweizerisch“, „fremd“ und somit auch nicht der Schweiz zugehörig halten. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, gehen entsprechende Vorfälle nicht nur von selbst bekennenden Rechtsextremen aus. Häufig beruhen diskriminierende und rassistische Aussagen oder Verhaltensweisen auf internalisierten („antrainierten“) Denkmustern, die wiederum mittels Stereotypisierungen, Klischees und Vorurteilen weiter aufrechterhalten und durch ständige Repetition und dem gleichzeitigen Ausbleiben von Widerstand fatalerweise als legitim erscheinen. Die Herabwürdigungen äussern sich zum einen durch öffentlich zur Schau getragene diskriminierende und rassistische „Traditionen“ (z.B. an der Fasnacht), Beleidigungen mittels Verwendung rassistischer Wörter und Bezeichnungen (z.B. N-Wort, „Mohr“) und Beschimpfungen und Stigmatisierung von vermeintlich „Nicht-Schweizer*innen“. Zum anderen erfahren Betroffene oftmals Ausgrenzung in der Form von wiederkehrenden, teilweise sehr subtilen Bemerkungen, Handlungen und Zuschreibungen, die ihnen zu verstehen geben, dass sie „nicht dazugehören“, „anders“ und deshalb auch „schlechter“ sind. Diese Erlebnisse können stark verletzend sein und die betroffenen Personen auch Tage oder Wochen später noch beschäftigen. Manche Erinnerungen bleiben für immer. Allzu oft werden solche Situationen nicht angesprochen. Betroffene werden alleine gelassen und Rassist*innen glauben schalten und walten, sowie ihre menschenverachtende Ideologie weiterverbreiten zu können, wie und wann immer sie wollen. Entsprechend wichtig ist es, sich zu positionieren und eine klare Haltung zu beziehen.

Unser neu gegründetes Kollektiv Vo da. macht es sich ab sofort zur Aufgabe, Diskriminierung und Rassismus in der Schweiz konsequent zu benennen. Diskriminierende und rassistische Verhaltensweisen oder Zustände werden von uns öffentlich gemacht und kritisiert. Die Gesellschaft soll auf entsprechende Vorfälle und die damit verbundenen Folgen für Betroffene stärker aufmerksam gemacht werden. Die Öffentlichkeit muss auf die Bedeutung dieser Thematik hingewiesen und ihr Bewusstsein zunehmend dafür sensibilisiert werden. Zudem rufen wir zu anti-diskriminierendem und anti-rassistischem Handeln auf, was wir in der Verantwortung von jedem und jeder in unserer Gesellschaft sehen.

Unser Ziel dabei ist es, dass in der Diskussion über Diskriminierung und Rassismus den Schilderungen und Erläuterungen von Betroffenen vermehrt und weitgehend objektiv Gehör gegeben wird. Es besteht kein Mitspracherecht für Nicht-Betroffene darüber, was für Verletzungen Betroffene zu erdulden oder über sich ergehen lassen müssen. Wir halten es für anmassend und verwerflich, dass Nicht-Betroffene dieses Recht an sich reissen, um über die Empfindungen und Emotionen von Betroffenen zu werten und schliesslich auch zu urteilen. Die wahrgenommene Selbstverständlichkeit und die Legitimierung zu dieser Selbstermächtigung sind in jeder Hinsicht falsch und gehören zweifelsohne mit zum Kern des Gesamtproblems.

Nicht-Betroffene sollen es sich vielmehr zur Aufgabe machen, ihre eigenen und fremden Handlungsmuster kritisch zu hinterfragen, ein Verständnis für die Situation und die Anliegen der von Diskriminierung und Rassismus direkt betroffenen Mitmenschen entwickeln. Wenn sie Zeug*innen eines diskriminierenden oder rassistischen An- oder Übergriffes werden, sollen sie, statt zu schweigen, intervenieren und die betroffene(n) Person(en) unterstützen.

Es liegt an uns allen, die Schweizer Gesellschaft so zu gestalten, dass keine Erniedrigungen, Herabwürdigungen und Entmenschlichungen durch Diskriminierung und Rassismus mehr toleriert oder gar akzeptiert werden.

Hilf mit, steh auf und mach dich stark, um dieses menschenfeindliche Konstrukt gemeinsam zu überwinden!

Wir hoffen auf dich zählen zu können!

Das Kollektiv Vo da.

#mirsindvoda

Du möchtest mehr über uns und unsere Arbeit erfahren? Über uns / Projekte

Du rätselst, was es mit dem Namen „Vo da.“ auf sich hat? Hier findest du mehr dazu.

Du fragst dich, wofür wir genau stehen und was wir alles bezwecken möchten? Unser Appell liefert dir die Antwort.

Abonniere unseren Newsletter und wir halten dich stets auf dem Laufenden.

Du willst uns unterstützen? Benenne und kritisiere Diskriminierung und Rassismus in deinem Umfeld und im Alltag.
Werde ein Teil von „Vo da.“ und hilf bei unseren Projekten mit.

Für Hinweise zu Vorfällen oder Zuständen über die wir berichten sollten, sind wir sehr dankbar. Melde sie uns!

Du kannst mit uns auch per Mail an hey@mirsindvoda.ch oder über unsere Social-Media-Kanäle in Kontakt treten.

Für Fragen, Anregungen und neue Ideen haben wir immer ein offenes Ohr.